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Qualifizierungsbegleitung für internationale Pflegekräfte im Prozess der beruflichen Anerkennung

 

Ausgangslage

Im Gesundheits- und Pflegebereich zeichnet sich schon heute ein Fachkräftemangel ab. Die Gründe hierfür stehen in engem Zusammenhang mit dem demografischen Wandel in unserer Gesellschaft. Dem steigenden Anteil älterer Menschen und dem zunehmendem Pflegebedarf stehen abnehmende Zahlen von Pflegefachkräften in den Pflegeberufen gegenüber. Im Altenpflegebereich zeigt sich der Mangel an Pflegefachkräften bereits in allen Bundesländern [1] . Gleichzeitig steigt auch die Zahl von pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Im Sinne einer kultursensiblen Pflege, die die jeweilige kulturelle Identität der zu Pflegenden berücksichtigt, werden demzufolge verstärkt Pflegefachkräfte mit einem Migrationshintergrund in allen Pflegeberufen benötigt, die diese kulturkongruente Fürsorge [2] abbilden.

Integration durch Qualifizierung

„Ende 2015 lebten in Deutschland rund 17,1 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund. Das entspricht 21 Prozent der Gesamtbevölkerung" (Mediendienst Integration online). Viele Migrantinnen und Migranten verfügen über qualifizierte Bildungs- und Berufsabschlüsse. Dennoch ist diese Bevölkerungsgruppe etwa doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen, wie Personen ohne Migrationshintergrund3. Demgegenüber stehen die zunehmenden Fachkräfteengpässe. Vor diesem Hintergrund müssen alle Potenziale genutzt werden.

Anpassungsqualifizierung für ausländische Pflegekräfte

Die Arbeiterwohlfahrt unterstützt die Qualifizierung und berufliche Integration von ausländischen Pflegekräften. In Kooperation mit dem IQ Landesnetzwerk Saarland wird die Arbeiterwohlfahrt im Kontext der staatlichen Anerkennung von ausländischen Qualifikationen eine Anpassungsqualifizierung für ausländische Pflegekräfte, in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Krankenpflegehilfe, anbieten.

Zielgruppe

Die Anpassungsqualifizierung für ausländische Pflegekräfte richtet sich an Migrantinnen und Migranten, die in ihrem Herkunftsland bereits eine Ausbildung in einem Pflegeberuf abgeschlossen haben und hier in Deutschland die Gleichwertigkeit ihres Ausbildungsabschlusses anstreben. Die im Nicht-EU-Ausland erworbenen Abschlüsse bedürfen in einer Vielzahl von Fällen der Anpassungsqualifizierung.

Ziel der Anpassungsqualifizierung

Nach Maßgabe des Anerkennungsgesetzes erfolgt eine Anpassungsqualifizierung im Rahmen eines Anpassungslehrganges oder durch Ablegen einer Kenntnisprüfung. Die ausländische Pflegekraft entscheidet sich nach dem Vorliegen des Bescheides durch das Landesamt für Soziales frei für eine Maßnahme und teilt die Entscheidung der zuständigen Landesbehörde mit. Nach erfolgreicher Teilnahme an der
Anpassungsqualifizierung ergeht durch die zuständige Landesbehörde, das Landesamt für Soziales, Zentralstelle für Gesundheitsberufe und Landesprüfungsamt, die Anerkennung der Gleichwertigkeit im Referenzberuf Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und/oder der Krankenpflegehilfe. Zudem müssen der B2-Sprachnachweis, ein aktiver Hepatitis-B Impfschutz sowie ein Polizeiliches Führungszeugnis der Landesbehörde vorgelegt werden.
Im Rahmen der Anpassungsqualifizierung erhalten die ausländischen Pflegekräfte die Möglichkeit, die Anerkennung der Gleichwertigkeit des ausländischen Ausbildungsabschlusses im Berufsbereich Pflege und damit die Erlaubnis zur Ausübung des Berufes als examinierte Pflegefachkraft zu erlangen.

1 Bundesagentur für Arbeit (2014). Der Arbeitsmarkt in Deutschland - Fachkräfteanalyse Dezember 2014 Nürnberg. Online verfügbar unter: statistik. arbeitsagentur.de/Statistischer Content/Arbeitsmarktberichte/fachkraeftebedarf-Stellen/Fachkraefte/BA-FK-Engpassanalyse-2014-12-pdf (Zugriff:12.11.2016).
2 Alban, S.,Leininger M.M., Reynolds, CL (2000). Multikulturelle Pflege. 1. Aufl. München, Jena:Urban & Fischer, S. 276-281
3 Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)", 2016

Umsetzung der Maßnahme

Die Qualifizierungsmaßnahme umfasst drei Phasen. Im Mittelpunkt der ersten Phase steht eine Deutschförderung zum Erwerb des Zertifikats Deutsch B2-Allgemein. Das Prüfungsformat ist telc Deutsch-B2, im Umfang von 300 Unterrichtseinheiten, in dem auch fachspezifische Elemente unterrichtet werden. Darauf folgt eine vierwöchige Praktikumsphase mit einer integrierten berufsbezogenen Deutsch-Sprachförderung, die nach dem individuellen Bedarf der ausländischen Pflegekräfte gestaltet wird. Das Sprachförderangebot in der dritten Phase schließt sich den individuellen fachtheoretischen und fachpraktischen Anpassungsqualifizierungen an. Inhaltlich orientiert sich die fachliche Qualifizierung an den vom Landesamt für Soziales, Zentralstelle für Gesundheitsberufe und Landesprüfungsamt festgestellten und in den Bescheiden definierten individuellen Defiziten.

 

 

1) Deutschförderung mit integrierten fachspezifischen Elementen


 

05. Dezember 2016 – 13. April 2017


 

 

Deutschförderung – Vermittlung der

Allgemeinsprache auf B2-Niveau nach

dem GER mit integrierten fachspezifischen Elementen

Vorbereitung und Ablegen der

B2-Sprachprüfung (telc Deutsch B2)

Abnahme der Prüfung durch Landesverband

der VHS in Saarbrücken


 

09:00 Uhr – 14:15 Uhr

300 UE


 

2) Praktikum


 

ab dem 18. April 2017


 

Vierwöchiges Praktikum in einer stationären Pflegeeinrichtung

Sprachförderung nach den subjektiven Bedürfnissen der ausländischen Pflegekräfte


 

Uhrzeit in Absprache mit der Institution und den Dozierenden

120 UE


 

3) Integrierte Deutsch-Sprachförderung


 

Im Anschluss an die Praktikumsphase


 

Fachspezifische Deutschförderung

für den Berufsbereich Pflege

nach individuellem Lehrplan


 

Uhrzeit in Absprache mit der Institution und den Dozierenden

bis 300 UE


Individuelle fachtheoretische und fachpraktische Anpassungsqualifizierung je nach Bescheid des Landesamtes für Soziales, Zentralstelle für Gesundheitsberufe und Landesprüfungsamt.

 

Die fachtheoretische- und fachpraktische Anpassungsqualifizierung erfolgt im Rahmen einer Dienstleistungsvereinbarung bei einem Träger der Gesundheits- und Krankenpflege sowie einem Lehrinstitut der Gesundheits- und Krankenpflege.

Kontakt

Arbeiterwohlfahrt
Sozialpädagogisches Netzwerk (SPN)

Gudrun Maas
Dipl. Sozialarbeiterin
Projektleitung

Tel. 0681 9 70 58 61 13 
Mobil 0176 15 86 09 85
gmaas@lvsaarland.awo.org
www.awo-saarland.de

 

IQ Landesnetzwerk Saarland

Gabriela Weiskopf
IQ Landesnetzwerk Saarland
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Qualifizierungsmonitoring Pflege

Tel. 0681-5867-288
weiskopf@gim-htw.de
netzwerk-iq.saarland

 

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund ab. Das Programm wird in den ersten beiden Handlungsschwerpunkten aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Bundesagentur für Arbeit (BA). Der dritte Handlungsschwerpunkt wird aus Bundesmitteln finanziert.