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AWO Saarland News

09.03.17 14:53 Alter: 161 Tage

Podiumsdiskussion: Mehr Selbstbewusstsein, mehr Wertschätzung, dann geht es auch im Beruf „Hauswirtschaft“ aufwärts

Die Tagung in der Begegnungsstätte der AWO in Saarbrücken fand großen Zuspruch.

Den Referenten ging es vor allem um mehr Anerkennung und Aufwertung für das Berufsbild Hauswirtschaft.

Um die Situation im Beruf „Hauswirtschaft" ging es bei einer gemeinsamen Fachtagung von Arbeitskammer, AWO Saarland, Gewerkschaft GEW und dem Berufsverband hauswirtschaftlicher Berufe (MDH). Hierzu hatte die AWO als Gastgeberin in ihre Begegnungsstätte in der Hohenzollernstraße in Saarbrücken eingeladen. Im Podium: Namhafte Fachleute, die sich insbesondere Gedanken um die Aufwertung des Berufsbilds machten.

„Die Hauswirtschaft leidet unter dem Stigma, als Beruf in unserer Gesellschaft nicht voll anerkannt zu sein", schilderte AWO-Landesgeschäftsführerin Ines Reimann-Matheis ihre Sicht der Dinge. „Dabei ist sie in allen unseren Einrichtungen die Grundlage, auf der die soziale Arbeit erst aufsetzen kann". Die AWO bezahle ihre Hauswirtschaftler und Hauswirtschaftlerinnen nach Haustarif, der sogar noch über dem Tarif der NGG liege.

Birgit Jenni, Hauswirtschaftslehrerin an der Berufsschule und stellvertretende Landesvorsitzende der GEW, sieht Handlungsbedarf: „Der Beruf ist von der Entlohnung her uninteressant." Beleg: Die Zahl der Auszubildenden ist von 105 im Jahr 2001 auf 45 im Jahr 2016 gefallen. Darüber hinaus brechen mehr als ein Drittel aller Azubis in der Hauswirtschaft ihre Ausbildung ab, berichtete Gertrud Schmidt, Referatsleiterin Frauen bei der Arbeitskammer des Saarlandes.

„Es besteht Bedarf an Hauswirtschaft, und er wird steigen", prognostizierte dagegen die Osnabrücker Professorin Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt in ihrem Impulsreferat. „Viele Menschen benötigen viel früher hauswirtschaftliche Dienstleistungen als pflegerische." Darüber hinaus spiele die Hauswirtschafterin gerade bei älteren oder behinderten Menschen eine wichtige Rolle als Ansprechpartner und Problemlöserin.

Deshalb müsse sich die Hauswirtschaft kollektiv auf ihren Wert besinnen und endlich Selbstbewusstsein entwickeln, so die Wissenschaftlerin. „Es ist ein Unterschied, ob jemand seinen privaten Haushalt macht oder eine qualifizierte und professionelle Dienstleistung erbracht wird. Eine Hauswirtschafterin ist ebenso fachlich ausgebildet wie ein Automechaniker oder ein IT´ler. Also muss sie auch gleich bezahlt werden."

Die Gewinnung von Nachwuchs gestalte sich schwierig, berichtete Marita Kuhn, im Arbeitsministerium zuständig für die Agenturen für haushaltsnahe Dienstleistungen. Die AhA-Agenturen verfügten über zu wenig qualifizierte Fachkräfte und müssten mitunter Anfragen ablehnen. „Die Hauswirtschaft hat das Problem der Popularität", weiß Sabine Birk, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Arbeitsagentur. Zudem müsse man vielfach die Arbeitsbedingungen prüfen. NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister beklagte die mangelnde Wertschätzung des Berufs und den fehlenden Organisationsgrad in der Hauswirtschaft. Nur wer gut organisiert sei, könne Tarife auch einfordern.

Schwarzarbeit ist ein großes Thema in der Hauswirtschaft. Eine klare Forderung kam dazu von der MDH-Vorsitzenden Claudia-Forster-Bard. „Schwarzarbeit ist illegal. Die Politik muss hier einen Riegel vorschieben." Außerdem müsse die Hauswirtschaft selbstbewusster werden. Eine interessante Entdeckung haben dazu die Mitarbeiter des Kultusministeriums gemacht: „Wenn wir das Berufsbild in Schulen vorstellen, ohne den Namen zu nennen, bekommen wir positive Rückmeldungen". Erst das Wort „Hauswirtschaft" schrecke viele ab, berichtete Maria Fier, dort zuständig für die Berufsbildung in der Hauswirtschaft. Deshalb habe das Ministerium jetzt auch eine Image-Kampagne für diesen Beruf gestartet.

Zukünftig wollen sich alle Beteiligten regelmäßig an einem runden Tisch treffen. Moderiert wurde die Diskussion von der Journalistin Sabine Müller.