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AWO-Bundesvorsitzende Sonnenholzner erlebt soziales Engagement im Brennpunkt

Besuch der AWO-Bundesvorsitzenden Kathrin Sonnenholzner im Saarland

AWO-Bundesvorsitzende Sonnenholzner erlebt soziales Engagement im Brennpunkt

Ganz tief ins Detail tauchte Dr. Kathrin Sonnenholzner, die Vorsitzende des AWO-Bundesvorstands, bei einem zweitätigen Besuch der AWO Saarland in die Soziale Arbeit ein. „Im Rahmen meiner Sommertour, will ich Projekte kennenlernen, damit wir bei unserer politischen Arbeit in Berlin, genau wissen, worum es vor Ort geht“, sagte sie bei einem Besuch im AWO-Sozialraumbüro in Burbach.

Der Brennpunkt-Stadtteil hat enormen Bedarf an Migrationsberatung, Jugend- und Sozialarbeit. Sonnenholzner informierte sich über die vernetzte Arbeit in der ambulanten Jugendhilfe mit trägergemischen Einrichtungen, in der AWO und Jugendamt Tür an Tür zusammenarbeiten und Fälle ganzheitlich begleitet werden können. „In diesem Stadtteil geht es zur Sache“, sagte AWO-Landesgeschäftsführer Jürgen Nieser und stellte umfassende Angebote der AWO vor.

Dabei warnte er: „Wenn Berliner Politiker über soziale Kürzungen reden, dann meinen die uns!“ Wenn der Rotstift angesetzt werde, dann betreffe das Menschen, die ohne die Unterstützung im Regen stehen würden. „Ich bin erschüttert, wie viel Bereitschaft besteht, aus Angst vor der AfD die falschen politischen Signale zu setzen“, ergänzte Sonnenholzner und prangerte die „Projektitis“ der öffentlichen Zuschussgeber an. Viele Projekte seien stets nur auf Zeit finanziert und es gehe viel Energie verloren, ständige Verlängerungsanträge zu stellen, obwohl der Bedarf gar nicht strittig sei. „Das Saarland umwirbt die Rüstungsindustrie und die Mittel aus dem Transformationsfonds werden den Sozialbereich nicht beteiligen“, ergänzte Nieser.

Das Sozialraumbüro konnte seine vielfältigen Projekte vorstellen, danach besuchte die AWO-Bundesvorsitzende die Weyersbergschule, die mit 550 Kindern größte Grundschule im Saarland mit den typischen Problemen einer Brennpunktschule. Hier arbeitet das Sozialpädagogische Förder- und Inklusionszentrum der AWO. AWO-Sozialarbeiter Human Hassanzadeh erzählte von der Arbeit mit Kindern ohne Deutschkenntnisse, von Kinderarmut, Gewalt und Vernachlässigung. Unzureichend abgedeckt sei der Bedarf an Sprachförderung. Der Besuch Burbachs endete mit einem Nachmittag in der AWO-Begegnungsstätte Burbachs, wo ein neues Vorstandsteam ein beachtliches Angebot erstellt, vom Sprachkurs bis zum kostenlosen Live-Konzert.

Der zweite Besuchstag startete im House of Resources Saar der AWO, wo sich Sonnenholzner über die Migrationsprojekte der AWO informierte. Auch hier stellte die Bundesvorsitzende wieder die „Projektitis“ fest. Immer wieder tauchte das Problem der zeitlichen Projektbefristungen auf, was auch für die Projektbeschäftigten fehlende Sicherheit bedeutet. Vorgestellt wurden die MiA-Frauensprachkurse, die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE), das Förderprojekt für EU-Neuzugewanderte (EULE.plus), die Kinderprogramme eulen.nest und Eulenbande oder die frühkindlichen Brückenangebote. In allen Bereichen wurde über Kostendruck bei zeitgleich hoher Nachfrage und hohem Bedarf berichtet. „Es überfordert mich, wenn das einzige Projekt für Frauensprachkurse abgeschafft werden solle, wenn man sich zugleich wundert, dass zugewanderte Frauen nicht den Weg in den Arbeitsmarkt finden“, sagte Sonnenholzner und will dieses Thema in Gespräche mit der Politik aufnehmen.

Die stellvertretenden AWO-Landesvorsitzenden Heike Kayser und Horst Schmeer beteiligten sich an der Sommertour und viele Projektbeteiligte ließen im Dialog mit Sonnenholzner tiefe Einblicke in Angebote und Probleme zu. „Was ich hier gesehen habe, war ein – selbst in der AWO – außergewöhnliches Engagement und Projekte, die Menschen in Armut und mit Bildungsdefiziten erreichen. Es ist enorm, was alles entstehen kann, wenn Menschen aufeinander zugehen.
Wunderbar ist die Vernetzung der Frauen im Hause of Resources. Und gerade hier erfuhr ich die schönste Definition von Demokratie, die ich je gehört habe. „Wir sind offen für alles, was ein respektvolles Miteinander ist““, sagte Sonnenholzner kurz vor ihrer Abreise. Die im Projekt engagierten Frauen, die sich in vielen Initiativen gefunden haben und teilweise auch eigene Vereine gegründet haben, um die Demokratie zu stärken, hatten den Tag kulinarisch und inhaltlich liebevoll vorbereitet.