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AWO feiert am Schloss mit 7000 Menschen das 100jährige Bestehen

AWO feiert am Schloss mit 7000 Menschen das 100jährige Bestehen

Sozialpolitische Forderung nach Kindergrundsicherung

Mit der klaren Forderung nach einer Kindergrundsicherung startet die AWO Saarland ihr Familienfest zum 100jährigen Bestehen des Landesverbands rund um das Saarbrücker Schloss. Tausende Besucherinnen und Besucher kamen zum Fest, das mit einer sozialpolitischen Talkrunde anstatt mit Eröffnungsreden startete. Dabei diskutierten Sozialminister Magnus Jung, die AWO-Bundesvorsitzenden Kathrin Sonnenholzner und der AWO-Landesvorsitzenden Marcel Dubois mit Saarbrückens Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD), dem AWO-Vorstandsvorsitzenden aus der Pfalz, Markus Broeckmann, und dem Präsidenten der AWO Rheinland, Rudi Frick.

Sie würdigten die Arbeit der AWO Saarland und thematisierten das Problem der wachsenden Kinderarmut. Gillo, der der größten Jugend- und Sozialbehörde im Land vorsteht, konnte bestätigen, dass die Zahlen dramatisch sind und ein Viertel der Kinder im Regionalverband in armen Verhältnissen aufwachen. Seine Mitarbeiter*Innen würden mit diesen Kindern arbeiten und ihre Geschichten kennen. Dabei zeige sich aber deutlich, dass man mit Sozialarbeit die Probleme nicht beheben könne. Vielmehr müssten die betroffenen Familien auskömmliche Jobs haben und Perspektiven für sich sehen. Schon deswegen unterstütze er den Mindestlohn. Markus Broeckmann ergänzte, dass die Armut auch das größte Einsamkeitsrisiko darstelle. Einsamkeit im Alter und Armut verstärkten sich gegenseitig, es sei löblich, dass die AWO, gegründet aus der SPD heraus, trotzdem keine anbiedernde Position beziehe, sondern auch der eigenen Partei immer kritisch begegne. Damit lebe die AWO auch eine demokratische Kultur und ihre Grundwerte, bei denen stets der Mensch und die Solidarität im Mittelpunkt stehe. Rudi Frick und Marcel Dubois schlossen sich dem an. Die Kindergrundsicherung wurde gefordert, von den AWO-Verbänden im Schulterschluss, aber auch von den anwesenden Politikern und Sozialminister Magnus Jung, der einen Appell nach Berlin richtete, sich dieses Themas in der Bundesregierung anzunehmen. Und weil die AWO schon im Vorfeld geplant hatte, das Kinder-Armutsthema zum Leitthema des Südwestfestes zu machen, hatte die AWO den Armutsforscher und ehemaligen Bundespräsidentschaftskandidaten Prof. Dr. Christoph Butterwegge eingeladen, über Kinderarmut in Deutschland in Saarbrücken zu sprechen. Er ist Autor des Buches „Kinder der Ungleichheit“ und präsentierte neue Erkenntnisse aus der Sozialwissenschaft zu diesem Thema. Das Interesse an seinem Vortrag war ausgesprochen groß, die Plätze im VHS-Zentrum reichten nicht aus. Der Experte formulierte vier Forderungen aus seiner Sicht: einen Mindestlohn mit 14 bis 15 Euro, eine wirksame Kindergrundsicherung, flächendeckende Ganztagsschulen und deutlich kleinere Schulklassen.

Die AWO präsentierte sich im Schloßgarten mit dem Familienfest und Stadtfest-Atmosphäre als Sozialverband, der im Saarland mehr als 10.000 Mitglieder hat und als Arbeitgeber über 5500 Menschen beschäftigt. Dazu gab es eine Jobmesse, Bühnenprogramm drinnen und draußen, ein AWO-Kino, ein Kinderfest, Clowns und Zauberer, Museums- und Stadtführungen, Streetfood und somit Angebote alle Altersgruppen. Über 7.000 BesucherInnen folgten dem Aufruf, 100 Jahre AWO zu feiern.