30 Jan. AWO Saarland beim Sozialstaatskongreß
Die AWO Saarland war als Kooperationspartner am ersten Saarländischen Sozialstaatskongreß beteiligt und übernahm einen Workshop zum Thema Kinderarmut. AWO-Landesgeschäftsführer Jürgen Nieser und Silke Stäcker, die Bereichsleiterin im AWO-Sozialraumbüro Malstatt reflektierten die Empfehlungen der Sozialstaatskommission, die am Vortag veröffentlicht worden waren.
Die AWO Saarland fordert, den angekündigten Modernisierungsprozess des Sozialstaats nicht nur verwaltungstechnisch, sondern inhaltlich mit Blick auf die konkrete Lebenssituation von Familien und Kindern fortzusetzen. Im Workshop präsentierten Stäcker und Nieser Einzelfälle aus der sozialen Arbeit der AWO, um dem Publikum aufzuzeigen, wo die Probleme der betroffenen Familien wirklich liegen, und wie sich der „Fahrstuhl nach unten“ unaufhaltsam manifestiert, wenn Hilfen nicht zielgerichtet ankommen.
„Die AWO begrüßt, dass das Reformpapier die Notwendigkeit einer Entbürokratisierung, Digitalisierung und Verwaltungsvereinfachung betont und konkrete Vorschläge zur Zusammenlegung zentraler Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag macht. Ziel ist es, Sozialleistungen schneller, verständlicher und bürgerfreundlicher zugänglich zu machen und Doppelstrukturen abzubauen. Ebenso ist die geplante automatische Auszahlung von Kindergeld nach der Geburt ein Schritt in Richtung eines einfacheren Zugangs zu Leistungen für Familien. Diese Maßnahmen sind grundsätzlich richtig. Doch sie greifen zu kurz, wenn es um Kinderarmut mit all ihren Ursachen und Wirkungen geht, denn die Probleme der Familien scheitern an Details“, sagte Jürgen Nieser.
„Kinderarmut ist nicht nur ein Verwaltungsproblem. Sie ist ein gesellschaftliches Problem, das vielfach mit prekären Erwerbs- und Wohnverhältnissen, fehlenden Teilhabechancen und mangelnder sozialer Infrastruktur verknüpft ist. Beispiele sind Antragsverfahren, die die Familien überfordern, fundamentale Wissensmängel und Sprachbarrieren, fehlender Zugang zu digitalen Portalen und familiäre Überforderung. Die Erfahrungen aus unserer Praxis in Saarland zeigen: Ohne klare materielle Absicherung, ohne stabile Rahmenbedingungen für Bildung und Teilhabe und ohne frühzeitige aktive Unterstützung in professionellen Hilfestrukturen geraten Familien in dauerhafte Notlagen, die sich auf Generationen vererben können.“
Im Workshop wurden solche Beispiele an Einzelfällen aufgezeigt und die Wichtigkeit fachlicher Begleitung und flexibeler Unterstützung aufgezeigt. Dabei sind die Notlagen für betroffene Kinder besonders prekär, da sie den Nachteilen, die sich aus Armut ergeben, unmittelbarer ausgesetzt sind, als Ältere und die Armut schwer behebbare Langzeitfolgen bei Kindern haben kann.
Der Workshop wünschte sich, kinderbezogene Existenz- und Teilhabeleistungen so gestalten, dass sie Ankommen, Prävention und soziale Infrastruktur nachhaltig zu stärken, Teilhabe durch ein gutes Wohn-, Bildungs- und Gesundheitsangebot zu sichern. Viele Akteure arbeiteten daran, trotzdem manifestiere sich die Armut statistisch nachweisbar, was einen neuen Aufschwung in der Armutsbekämpfung nötig mache.
„Die AWO wird sich dafür einsetzen, dass die Reform des Sozialstaats die Lebenswirklichkeit von Familien und Kindern in den Mittelpunkt stellt und nicht nur ein effizienterer Sozialverwaltungsapparat entsteht“, sagte Nieser.