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AWO Saarland News

Donnerstag, 13. Februar 2020

Fachtagung ermöglichte tiefere Einblicke in die soziale Situation von EU-Zuwanderern

Blick in die vollbesetzten Reihen im Saarbrücker Rathausfestsaal.

Im Gespräch: Oberbürgermeister Conradt und AWO-Landesgeschäftsführerin Ines Reimann-Matheis mit Tagungsteilnehmern.

Provokante Sätze sollen zum Nachdenken anregen: Organisatoren und Mitwirkende bei der Eröffnung der Wanderausstellung.

Die soziale Situation aus der EU zugewanderter Menschen stand im Mittelpunkt der sehr gut besuchten Fachtagung „EU-Zuwanderung und Kommune" im Rathausfestsaal der Landeshauptstadt Saarbrücken. Veranstalter war das Projekt Eule.pro, an dem auch die AWO beteiligt ist, in Kooperation mit der Stabsstelle Integration des saarländischen Sozialministeriums. Gemeinsam hatte man sich zum Ziel gesetzt, vertiefte Einblicke in die Bereiche Wohnen, frühkindliche Bildung und Diskriminierungserfahrungen zu geben und mit Politik und Praxis Herausforderungen, Chancen und Perspektiven zu diskutieren. Zugleich wurde die Wanderausstellung „Hier sind wir Ausländer und zu Hause sind wir die Fremden" eröffnet.

Zum Thema „Wohnen" sprachen Birgit Zoerner, Sozialdezernentin in Dortmund und Leiterin der AG „EU-Zuwanderung" des Deutschen Städtetags, sowie Ines Funk, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität des Saarlandes. Sozialökonom Dr. Gerd Walter gab spezielle Einblicke in die Erkenntnisse zur frühkindlichen Bildung. Kurzvorträge von Veronika Kabis, Leiterin des Zuwanderungs- und Integrationsbüros der Stadt Saarbrücken, und der rumänischen Soziologin und Eule.pro-Beraterin Adina Wamsiedel zum Thema Diskriminierung rundeten die Impuls-Referate ab.

Als eine der zentralen Herausforderungen wurde der Schutz der Zugewanderten vor ausbeuterischen Mietverhältnissen diskutiert. Das Bundesland NRW hat mit seiner jahrelangen Erfahrung mit einem Wohnungsaufsichtsgesetz eine Vorreiterrolle.

Um „Chancen und Herausforderungen der EU-Zuwanderung für die saarländische Politik und Praxis" ging es bei der abschließenden offenen Diskussionsrunde unter Teilnahme der Landtagsabgeordneten und Sozialpolitiker Dr. Magnus Jung (SPD) und Hermann Scharf (CDU). Egbert Ulrich, Leiter der „Beratungsstelle für Wanderarbeit und mobile Beschäftigte" der Arbeitskammer stellte dabei die politische Forderung nach einem Hilfsfonds auf für am Arbeitsmarkt ausgebeutete Zugwanderte, die den Rechtsweg gegen den Arbeitgeber bestreiten, auf. Dieser solle aus Strafzahlungen finanziert werden, die verurteilte Arbeitgeber leisten müssen.

Begrüßt hatten die Teilnehmer Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt sowie Sevim Tasci, Leiterin der Geschäftsstelle der Integrationsbeauftragten Monika Bachmann. Die Stadt leiste einen wichtigen Beitrag zur Integration zugewanderter Mitbürger, betonte Conradt, der auch die gute Zusammenarbeit mit Eule.pro hervorhob. Tasci forderte die Möglichkeiten zum Erwerb der deutschen Sprache weiter zu verbessern.

 

Info Eule.pro:
Das Projekt Eule.pro unterstützt neuzugewanderte Bürgerinnen und Bürger aus der Europäischen Union bei der Integration in Saarbrücken. Es arbeitet niedrigschwellig und flexibel, stellt Kontakt her und bietet Beratung und Begleitung in verschiedenen europäischen Landessprachen an. Das von AWO und Diakonie Saar getragene Projekt wird durch den Bund und den Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) gefördert. Eule.pro-Beratungsstellen gibt es in den Saarbrücker Stadtteilen Malstatt und Burbach.