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AWO Saarland News

Montag, 29. Juni 2020

Wissenswertes zu "Jugend und Extremismus" in der Online-Vortragsreihe

Online-Vortragsreihe zum Abschluss der Projektlaufzeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum, Yallah und der AWO Saarland

Online-Vortragsreihe zum Abschluss der Projektlaufzeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum, Yallah und der AWO Saarland

Was führt Menschen zur Radikalisierung, wie läuft die sozialpädagogische Arbeit mit Kindern aus salafistisch geprägten Familien ab und welche Konflikte entstehen im Alltag und welche Rolle spielen die Sozialen Medien bei der Radikalisierung von Jugendlichen?
Um diese und weitere Fragen drehte sich die Online-Vortragsreihe „Jugend und Extremismus. Wege der Radikalisierung online und offline. Einblicke durch Verfassungsschutz, Fachstelle und Wissenschaft“, der über 60 Teilnehmer*innen online gefolgt sind.

Die Vortragsreihe wurde  als Abschluss der Projektlaufzeit gemeinsam vom Adolf-Bender-Zentrum, Yallah sowie der Arbeits- und Forschungsstelle Deradikalisierung veranstaltet. Über den Zeitraum von einem Jahr beschäftigten sich die Projektmitarbeiterinnen mit den Erscheinungsformen des rechten und des islamistischen Extremismus – mit dem Schwerpunkt auf der Situation saarländischer Jugendlicher.

Am ersten Tag informierte Jan Stahlberg, stellv. Leiter des Referates V3 „Islamismus/Islamistischer Terrorismus“ beim saarländischen Verfassungsschutz, über die Lage im Saarland und stellte unter anderem eine aktuelle Herausforderung heraus, die während der Corona-Pandemie an Brisanz gewonnen hat: Verschwörungstheorien, die angedockt an extremistische Gruppierungen, die Tür zur Radikalisierung aufstoßen können.

Kim Lisa Becker von der Fachstelle Liberi aus Kiel legte am Folgetag den Fokus auf die sozialpädagogische Arbeit mit Kindern aus salafistisch geprägten Familien. Sie skizzierte den Druck, der auf den betroffenen Kindern lasten kann. Gleichzeitig den sehr strengen Vorgaben der Familie und den westlichen Normen zu folgen, kann schwere Identitätskonflikte auslösen, die eine intensive sozialpädagogische Unterstützung bei dem Erlernen von Resilienz erfordert.

Julian Ernst, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich für Interkulturelle Bildungsforschung der Universität Köln machte den Abschluss, indem er die digitale Komponente ergänzte. Mittels Videos, Memes oder auch Kommentaren verbreiten gerade Rechtsextremist*innen und Islamist*innen ihre autoritären Ideologien und versuchen auf Sozialen Netzwerken, u.a. Jugendliche als neue Mitglieder anzuwerben. Dabei stehen sich rechtsextremistische und islamistische Gruppen strukturell näher, als dies zunächst der Anschein erwecken mag. Nicht nur operieren Gruppen beider Phänomenbereiche in den gleichen digitalen Räumen. Auch teilen sie Feindbilder und Argumentationsweisen.

Wie wichtig diese fachlichen Einblicke in die Radikalisierungsstrukturen sind, zeigte auch das positive Feedback zum Thema, zu den Referent*innen und dem Online-Format, das eine bundesweite Teilnahme ermöglichte.