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Neueröffnung Frauenhaus Saarbrücken

Neueröffnung Frauenhaus Saarbrücken

Eine Sicherheitsschleuse, eine geheime Adresse, ein nicht einsehbares Grundstück, aber ein Haus in einem belebten Stadtteil in einer normalen Wohngegend – das ist die Schutzzone für Frauen, die nach einer Gewalterfahrung erst einmal ihr Zuhause verlassen wollen oder müssen und eine sichere und betreute Bleibe suchen.

Das Saarbrücker Frauenhaus hat nach Umzug eine neue Adresse und bietet sieben separate Wohneinheiten, eine davon barrierefrei in einem Ambiente, das hell, wohnlich, gemütlich und vor allem sicher ist.

Die Arbeiterwohlfahrt hat vier Frauenhäuser im Saarland, ist die einzige Frauenhaus-Trägerin im Land und hat in Saarbrücken mit Hilfe eines privaten Vermieters eine Vorzeigeeinrichtung geschaffen. Bundestagsvizepräsidentin Josefine Ortleb, Saarlands Sozialminister Dr. Magnus Jung und die Regionalverbandsdirektorin Dr. Carolin Lehberger waren zur Eröffnung gekommen und sagten die unbedingte Unterstützung von Bund, Land und Regionalverband zu und waren einig, dass Frauenhäuser unverzichtbar sind. Weitere Fachbesucher*innen aus Politik, Behörden und Medienvertreter waren eingeladen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Sie sahen eine im inneren behaglich eingerichtete und an ein Hotel erinnernde Einrichtung, die außen wenig auffällt, trotzdem aber einen dichten Zaun hat, Sichtschutzfolien an den Fenstern und wo jede Frau rund um die Uhr Hilfe finden kann. Auch Kinder werden aufgenommen, für 19 ist Platz im Haus, eine eigene Kinderbetreuung kümmert sich in der Frauenhaus-Kita um die Kleinen, während die betroffenen Frauen Ruhe und Beratung finden können. Zusätzlich zur Unterkunft erhalten die Frauen eine Sicherheitsanalyse und Risikoeinschätzung. Nach der Akutphase werden weitergehende Hilfen angeboten, die den Weg in eine eigene Wohnung ebnen oder die Rückkehr der Frau nach Hause begleiten kann: „Nicht jede Beziehung scheitert, wir gehen den Weg, den die Frauen gehen möchten“, erklärt Einrichtungsleiterin Lisa Schommer.

Die angebotenen Hilfen seien vielfältig und würden sogar Täter einbeziehen, wenn sie zur Mitwirkung bereit seien. Denn viele Frauen würden der Beziehung eine Chance geben wollen, andere eher nicht.

Heike Kayser, die stellvertretende AWO-Landesvorsitzende, bezeichnete das neue Haus als ein „sichtbares Zeichen, dass die Betroffenen gesehen, gehört und unterstützt werden.“ Josefine Ortleb erwähnte den in Deutschland ansteigenden Trend der Partnerschaftsgewalt, wobei es erschreckend sei, dass im Bereich der jungen Männer schwere Rückschritte zu beobachten seien. Wichtige Gesetze seien aber auf den Weg gebracht und in breitem Konsens verabschiedet worden. „Das ist ein Thema, das eine Herausforderung bleibt. Die Einweihung bei der AWO ist ein erfreuliches Ereignis, wenn es auch unerfreulich ist, dass man so ein Haus benötigt“, ergänzte Minister Jung.

Als „Ort der Hoffnung, Würde und Stärkung“ bezeichnete Carolin Lehberger das Haus. AWO-Landesgeschäftsführer Jürgen Nieser stimmte den Vorredner*innen zu, dass die gesellschaftliche Aufgabe bestehe, Gewalt in jeder Form weiterhin entgegenzutreten. Die Strafen für die Täter müssten konsequent sein und die Möglichkeiten der Politik ausgeschöpft werden. Die AWO sei gerne Träger der Frauenhäuser, denn dieses Engagement entspreche dem Gründergeist der AWO, die von einer Frau, Maria Juchacz, vor 125 Jahren gegründet wurde und der es immer um Frauenrechte gegangen sei. Dieses Ziel sei heute nicht weniger aktuell als damals.