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AWO Saarland News

Donnerstag, 05. September 2019

Die Zukunft der Älteren liegt im Quartier

AWO-Landesgeschäftsführerin Ines Reimann-Matheis bei der Begrüßung.

Reimann-Matheis mit den Referentinnen und Referenten.

Sozialministerin Monika Bachmann, hier mit dem stellvertretenden AWO-Landesvorsitzenden Roland Märker, Ines Reimann-Matheis und Susanne Hohlfeld-Heinrich, hatte die Schirmherrschaft über die Fachtagung übernommen.

Interessante Einblicke und ermutigende Perspektiven bei der AWO-Fachtagung zur Quartiersarbeit.

Für ihr Alter wünschen sich die meisten Menschen möglichst lange selbständig und gut versorgt im gewohnten Umfeld leben zu können. Die AWO Saarland fördert dies mit bislang sechs Quartiersprojekten in Malstatt, Riegelsberg, St. Ingbert, Völklingen, Merzig und Ottweiler. Bei einer Fachtagung in den Räumen der htw, die die Entwicklung der Projekte wissenschaftlich begleitet, würdigte Sozialministerin Monika Bachmann die Quartiersarbeit als „Musterbeispiel für die Förderung aktiver und selbstbestimmter Teilhabe älterer Menschen in unserem Bundesland".

Die Quartiersstellen der AWO ermöglichten die Integration in die Gemeinschaft, aber auch die Umsetzung ambulanter Versorgung der älteren Menschen. „So stellen sie neben den flächendeckend installierten Pflegestützpunkten eine wichtige Anlaufstelle für beratungssuchende Menschen dar", so Bachmann. Die modernen Quartiere böten noch mehr: sie seien Anlaufstelle für Beratung und Information, bildeten Netzwerke unter den Stadtteilbewohnern und seien Basis für den Austausch untereinander und Ausgangspunkt gemeinsamer Aktivitäten. Hiervon könnten letztlich auch die Kommunen nur profitieren.

120 Teilnehmer hatten sich zu der Fachtagung eingefunden, darunter auch die Landtagsabgeordneten Dagmar Heib und Dr. Magnus Jung. Begrüßt wurden sie von AWO-Landegeschäftsführerin Ines Reimann-Matheis und htw-Vizepräsident Andy Junker, die beide die gute Partnerschaft und „fruchtbare Zusammenarbeit" betonten.

Den Einstieg in die Fachtagung machte Brigitte Döcker vom AWO-Bundesverband.
Für sie ist die AWO „mit Herz und Professionalität" in vielen Stadtbezirken in ganz Deutschland unterwegs, je nach Bedarf auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die inklusive Quartiersentwicklung ist das Spezialgebiet von Professor Dr. Hendrik Baumeister von der Evangelischen Hochschule in Bochum, der hierzu einen Ansatz zwischen Theorie und Praxis vorstellte. Die Quartiersprojekte der AWO Saarland sowie erste Ergebnisse und Meinungen dazu stellen Prof. Dr. Christine Dörge (htw) und die Leiterin des AWO-Quartiersmanagements Susanne Hohlfeld-Heinrich vor.

In Praxisforen viel Wissen geteilt

In vier Praxisforen vertieften die Teilnehmer ihr Wissen, tauschten Erfahrungen aus und entwickelten kreative Ideen zur Quartiersarbeit. Ohne eine Beteiligung der Kommunen geht gar nichts, machten Quartiersmanagerin Elke Müller und der Bürgermeister von Riegelsberg, Klaus Häusle, schnell klar. Ganz wichtig sei ein Ansprechpartner bei der Kommune, der fest in der Gemeinde verwurzelt ist und gute Kontakte nach allen Richtungen hat. Für Riegelsberg sind die Kosten für die Quartiersarbeit laut Häusle „geringer als man denkt". In St. Ingbert werde - so ein Mitglied des dortigen Seniorenbeirats - ein solches Projekt wie „Wir im Südviertel" auch andernorts gewünscht.

Thorsten Schmittberger und Sabine Zapp, die Direktoren des AWO Pflege- und Betreuungsservice, berichteten über die Quartiersarbeit als Aufgabe für die ambulante und stationäre Versorgung. Positiv sei dabei die Öffnung der einzelnen Einrichtungen zu werten und der Abbau von Ängsten. Positiv sei auch der Ausbau von Netzwerken der durch die Quartiersarbeit erfolge und die Einbindung von ehrenamtlichen Kräften. Man müsse jedoch in jedem Projekt ganz spezifisch die Bedürfnisse der Anwohner erfassen, um eine adressatengerechte Ausrichtung zu erzielen und den Gedanken der „gelebten Sozialraumordnung" umzusetzen.

Über kultursensible Quartiersarbeit forscht an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin Professor Dr. Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin. Ihren Angaben zufolge gibt es bislang wenig verlässliche Daten bezüglich die Pflegebedürftigkeit von Migranten. Sie schätzt jedoch, dass bis 2030 eine halbe Million von ihnen pflegebedürftig werden. Quartierarbeit für Migranten hieße zunächst Beziehungsarbeit zu leisten und Vertrauen zu schaffen.

„Wege des Abschieds: Alternative Wohnformen - im Quartier bis zuletzt" ist ein Modellprojekt von AWO Bielefeld, Uni Wien und der Stiftung Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen des „Bielefelder Modells" für selbstbestimmtes Wohnen im Alter wurde dort erfolgreich eine hospizliche Quartiersarbeit initiiert, berichtete Richildis Wälter, Leiterin des Geschäftsbereichs Altenhilfe der AWO Bielefeld. Derzeit befindet sich das Projekt in der Evaluation und soll danach in anderen Quartieren umgesetzt werden. Die letzte Lebensphase sei ein wichtiger Baustein der Quartiersarbeit. Man müsse vor allem das Thema Sterben und Tod enttabuisieren.

Das Schlusswort zur Tagung sprach mit Humor Ursula Schey-Kaiser, die vor fünf Jahren nach Malstatt gezogen ist und dort Englischkurse für Senioren von 65 bis 90 organisiert. Sie meinte: „Das Älterwerden hat auch seine angenehmen Seiten, besonders in einem Stadtteil, der sich anpasst."

Mehr Informationen und Kontakt: Susanne Hohlfeld-Heinrich, Tel. 0681 - 99 10 166 oder per E-Mail